Auf den Punkt \

Marktkommentar Juli 2022

Inhalt:
• Marktkommentar
• Türkei – hohe Inflation und Aktien als Sachwerte
• Einzelwert: Fondsinvestment „DNB Renewable Energy“ (erneuerbare Energien)
• „Börsenkrise“- Ruhe bewahren

Wir erleben aktuell an den Kapitalmärkten eine ebenso seltene wie ungünstige Mixtur. Die Notenbanken in Amerika und Europa sehen sich aufgrund der anhaltend hohen Inflation gezwungen, die Zinsen anzuheben, obwohl eine wirtschaftliche Abkühlung durch die scharfen Lockdown-Maßnahmen in China und den Krieg in der Ukraine, welche zu erheblichen Störungen im Welthandel führen, bereits vorprogrammiert ist.

 

Entwicklung ausgewählter Märkte im Jahr 2022 (per 06.07.) circa Angaben 

Gold (USD) 

0,00% 

Edelmetall 

Bundesanleihen (Rex-Index) 

-6,70% 

Bundesanleihen 

Bundesanleihen 10 Jahre 

-12,20% 

10-jährige Bundesanleihen 

10yr US-Treasury 

-18,60% 

10-jährige US-Staatsanleihen 

Unternehmensanleihen Senior 

-11,28% 

Unternehmensanleihen 

Unternehmensanleihen bis 5 Jahre 

-8,8% 

Unternehmensanleihen 

DAX 

-21,09% 

Deutsche Blue-Chips 

EuroSTOXX50 

-20,77% 

Europäische Blue-Chips 

Nasdaq 

-28,61% 

US-Technologie 

Dow Jones 

-15,35% 

US-Industrie 

Hong Kong 

-6,11% 

China/Hong-Kong-Aktien 

MSCI World 

-21,21% 

Welt-Aktienindex 

Bitcoin 

-51,63% 

Kryptowährung 

Marktkommentar

Weiterhin steigende Inflationsraten und deutlich anziehende Zinsen in den USA haben die Aktien- und Rentenmärkte im Mai/Juni erheblich belastet. Die Notenbanken befinden sich in einer schwierigen Lage. Um die Inflation zu bekämpfen, müssen sie die Zinsen erhöhen, ohne aber eine tiefe Rezession auszulösen. Steigende Zinsen und der Abbau der Anleihebestände läuten das Ende der ultralockeren Geldpolitik ein.

Anders als die amerikanische Notenbank FED hat die europäische EZB zudem die Schwierigkeit der Heterogenität der EURO-Staaten, hinsichtlich Verschuldungsgrad und konjunktureller Robustheit. Auch ohne dass die EZB bisher überhaupt einen Zinsschritt vollzogen hat, sind bspw. die Zinsen 10-jähriger italienischer Staatsanleihen auf über 3 % gestiegen.

Weiter steigende Zinsen könnten sicherlich den ein oder anderen hochverschuldeten Staat in Bedrängnis bringen. Damit steht die EZB vor einer Mammutaufgabe, die es zu bewältigen gilt.

In Zeiten höherer Inflation ist es für die Unternehmen besonders wichtig, steigende Produktionskosten durch entsprechende Preiserhöhungen zu kompensieren. Die Wirkung entfaltet sich allerdings erst mit einer zeitlichen Verzögerung, so dass wir trotz hoher wirtschaftlicher Dynamik und nach wie vor robuster Nachfrage ein bis zwei Quartale mit schwächeren Quartalsergebnissen rechnen müssen. Danach wird entscheidend sein, wie stark sich die Wirtschaft global abkühlt und ob China als einer der Wachstumsmotoren der Welt von weiteren Lockdowns verschont bleibt. Industrieunternehmen mit hoher globaler Abhängigkeit in den Produktionsketten und/oder mit hohem Energiebedarf, sehen wir als die größten Leidtragenden der aktuellen Situation.

Türkei – hohe Inflation und Aktien als Sachwerte

Das türkische Statistikamt meldete für Mai einen Anstieg der Verbraucherpreise um 73,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Das Leben in der Türkei wird immer teurer. So legten die Energie- und Spritpreise zum Monatsbeginn nochmals deutlich zu, Erdgas beispielweise um 30 Prozent. Hintergrund ist zum einen, dass die türkische Währung massiv an Wert verloren hat, zum anderen wirken sich die Folgen der Corona-Pandemie, des Ukraine-Krieges und die Lieferkettenprobleme aus.
Eine Flasche des Nationalgetränks Raki kostete Ende vorigen Jahres noch etwas mehr als zehn Euro. Mittlerweile fast doppelt so viel. Speiseöl ebenso: Die Fünf-Liter-Flasche der günstigeren Sorten hat vor einem Jahr umgerechnet keine fünf Euro gekostet und aktuell knapp zehn Euro.

Übertragen auf den Alltag der Türken bedeutet das: Für das Geld, für das man vor einem Jahr noch drei Äpfel kaufen konnte, bekommt man heute nur noch einen. Die Kaufkraft der türkischen Lira hat in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 75 % abgenommen.
Wie hat der Aktienmarkt in der Türkei reagiert?

Der türkische Index „ISE National 100“, in welchem die größten 100 Unternehmen der Türkei vertreten sind, ist von seinem Tiefpunkt im Jahre 2020 bei 842 Punkten auf aktuell 2.377 Punkte (06.07.2022) angestiegen.

Nominal hat der türkische Anleger eine hohe Rendite am Heimatmarkt erzielt, allerdings hat er real gerechnet, sprich nach Abzug der Inflation, nichts hinzuverdient. Noch düsterer wird die Bilanz, wenn man den Außenwert der Lira mit einbezieht, da zusätzlich zur Inflation im eigenen Land die Währung kräftig verloren hat.

Der Kritiker würde dazu sagen: Unterm Strich nicht viel verdient! Was allerdings, wenn der türkische Anleger, anstatt in türkische Aktien zu investieren, sein Geld auf dem Konto hätte stehen lassen? Seine gesamten Ersparnisse wären real fast nichts mehr wert.
Aktien sind Substanzwerte und daher bieten sie langfristig einen gewissen Schutz vor Inflation sowie dem Verfall einer Währung.

Einzelwert: Fondsinvestment „DNB Renewable Energy“

Wer ist die „DNB Asset Management“?

Die „DNB Asset Management“ kann auf eine lange Investmenttradition, die bis in das Jahr 1967 zurückreicht, zurückblicken. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der nordischen Region, die im Bereich verantwortungsvoller Investments eine Vorreiterrolle gespielt hat. Die DNB hat ESG bereits 1988 in ihren Investmentansatz einbezogen und ihre ESG-Philosophie und -Fähigkeiten seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.

DNB: Warum wir verantwortungsbewusst investieren?

– Um die Informationsgrundlage für Investmententscheidungen zu verbessern
– Um das Risiko zu reduzieren
– Um risikobereinigte Renditen zu erhöhen
– Um neue Wachstumsmärkte und innovative Unternehmen zu nutzen

(Website DNB Asset Management)

Anlageziel des Fonds:

Der „DNB Renewable Energy“ verfolgt das Ziel, in Aktien zu investieren, die zu einer besseren Umwelt beitragen, indem er in Unternehmen investiert, deren Dienstleistungen und Technologien zu einer Reduzierung der weltweiten Treibhausgasemissionen beitragen. Der Fonds ist als „Umweltfonds“ (Art. 9 SFDR) klassifiziert und investiert in die folgenden Hauptsektoren: Biokraftstoffe, Energieeinsparung, Brennstoffzellen Stromnetze, Werkstoffe, Stromerzeugung, Energiespeicherung, Solarenergie und Windkraft. Der Fonds strebt langfristig, vor allem durch Investments in Aktien von global tätigen Unternehmen mit niedriger, mittlerer und hoher Kapitalisierung, die Erzielung einer positiven relativen Rendite an. Die Aktien werden anhand von ESG-Kriterien, d. h. Nachhaltigkeitskriterien in Bezug auf Umwelt (Environment), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance), analysiert, mit dem Ziel, dass der größte Teil des Nettovermögens einen positiven, signifikanten und messbaren Beitrag zu einer besseren Umwelt leisten soll. In geographischer Hinsicht ist das Fondsmanagement vollkommen flexibel.

Das Thema „Erneuerbare Energien“ wird in den nächsten Jahren mehr denn je bestimmend bleiben und die Branche gigantische Investitionen erfahren. Nicht nur unter dem Klimaaspekt unabdingbar, sondern mehr denn je auch als Substitut fossiler Energieträger, um aufgezeigte Abhängigkeiten zu reduzieren. Der Ukrainekrieg wirkt als Beschleuniger. Wir investieren über den Fonds breit gestreut in kleinere bis mittlere Unternehmen des Sektors, um an der fortschreitenden positiven Entwicklung zu partizipieren.

„Börsenkrise“ – Ruhe bewahren

„Die meisten Leute interessieren sich für Aktien, wenn alle anderen es tun. Die beste Zeit ist aber, wenn sich niemand für Aktien interessiert.“ (Warren Buffet)

Die Nervosität an den Börsen ist derzeit sehr groß; die Kurse schwanken kräftig. Krieg, Inflation und weiterhin die Pandemie, vor allem mit großen Auswirkungen in China. All das wirkt auf unsere Psyche. Angst und Panik waren bislang jedoch keine guten Ratgeber.

Viele Anleger fühlen sich unter Zugzwang, wenn die Aktienkurse stark schwanken, insbesondere wenn sie stark fallen. Dabei ist nüchterne Analyse und ggf. Abwarten oft am sinnvollsten.
Die Zeit ist der stärkste Verbündete eines Anlegers. Sie rückt das Anlageergebnis ins rechte Licht. Wer Zeit hat, kann Kursrücksetzer aussitzen und sie als das anerkennen, was sie sind: Normalität an der Börse. Ein Blick auf den langfristigen Verlauf der großen Aktienindizes zeigt, wie wenig relevant die großen Krisen (selbst in den Weltkriegen) der vergangenen Jahre für Anleger waren.
Starinvestor Warren Buffett sagt: „Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er sie nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde.“

Es ist nachvollziehbar, da absolut menschlich, dass die Stimmung an den Märkten die Anleger-/innen dazu bringen kann, Werte aus Angst vor weiteren Verlusten zu verkaufen. Aus unserer Sicht sind wir kurz davor einen solchen Zeitpunkt zu erleben, oder vielleicht sind wir auch schon mittendrin. Doch gerade das Verkaufen in der Nähe des Tiefpunktes und der verspätete Wiedereinstieg bei weitaus höheren Kursen führt zu dauerhaften Verlusten im Portfolio.

Oder anders formuliert: Wer breit gestreut in Qualitätsaktien investiert ist, sollte langfristig auch gute Renditen erzielen. Bei den aktuellen Bewertungen sind die langfristigen Perspektiven aus unserer Sicht sehr attraktiv. Ganz unabhängig davon, ob es jetzt nochmals neue Tiefststände gibt oder nicht. Natürlich können auch neue Probleme an den Märkten auftreten. Das gilt allerdings immer, und es gibt nach Kurseinbrüchen bezogen auf neue mögliche Probleme keinen Grund pessimistischer zu sein als nach boomenden Aktien- und Anleihenmärkten.

Wir erwarten insgesamt eine deutlich erhöhte Nervosität und damit einhergehend eine über dem Durchschnitt liegende Volatilität für nahezu alle Marktsegmente. Energie bleibt ein ernstes Thema und die gedrosselten Gaslieferungen oder ggf. auch Stopps werden deutsche Unternehmen und Verbraucher dauerhaft belasten. Die USA sehen wir daher derzeit besser aufgestellt und attraktiver. China profitiert von der aktuellen Situation und scheint seine Talfahrt am Aktienmarkt beendet zu haben. Anders als im Westen, spielt die Inflation eine untergeordnete Rolle und die Politik scheint entschlossen die Wirtschaft zu stützen. Als aktiver Portfoliomanager sehen wir uns gut aufgestellt, diesem herausfordernden Umfeld mit dem nötigen Risikobewusstsein entgegenzutreten, ohne sich bietende Chancen dabei aus den Augen zu verlieren.

Denn: was wenn?

– sich Putin mit dem Ostteil der Ukraine zufrieden gibt
– China keinen harten Lockdown mehr durchführt
– Inflation von 7,6 auf 6,5 % fällt
– ein Ende der Zinserhöhungen der FED absehbar ist

Die Börse und die Wirtschaft würden sicherlich sehr positiv auf solche Nachrichten reagieren.
Trotz aktueller Krisen soll die Weltwirtschaft nach Schätzungen des IWF in 2022 ein Wachstum von plus 2,7 % aufweisen. Insbesondere in Deutschland herrscht derzeit fast Vollbeschäftigung und damit die Gefahr eines Zweitrundeneffektes (steigende Löhne). In vielen Wirtschaftszweigen besteht ein hoher Auftragsbestand, welcher durch die Lieferkettenprobleme verstärkt wurde. Nüchtern betrachtet sieht es somit in der Wirtschaft nicht so düster aus, wie derzeit oft dargestellt.
Wir sind auf Sicht von 12 Monaten durchaus optimistisch, bleiben aber kurzfristig vorsichtig.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie weiterhin gesund! 

Herzliche Grüße aus Trier

Ihr Team der
Breiling | Spohn & Kollegen
Vermögensverwaltung GmbH

Disclaimer/Risikohinweis:

Dieser Kommentar dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder zu einer sonstigen Wertpapiertransaktion dar. In einem persönlichen Gespräch stehen wir gerne für weitere Informationen zur Verfügung. Eine Investmentstrategie orientiert sich stets an den persönlichen Umständen eines Anlegers wie beispielsweise Anlagehorizont, Risikoerwartungen und Renditeziele. © BSK Vermögensverwaltung GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangaben gebeten. Eine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben oder dem Eintreffen von Erwartungen kann nicht übernommen werden und keine Aussage in diesem Marktkommentar ist als solche Garantie zu verstehen. Die BSK Vermögensverwaltung GmbH noch deren Kooperationspartner übernehmen irgendeine Art von Haftung für die Verwendung dieser Präsentation oder deren Inhalt. Weder die Veröffentlichung noch eine Vervielfältigung dieses Marktkommentars darf ohne die vorherige ausdrückliche Erlaubnis der BSK Vermögensverwaltung GmbH auf irgendeine Weise verändert oder an Dritte verteilt oder übermittelt werden. Mit der Annahme dieses Marktkommentars wird die Zustimmung zur Einhaltung der o.g. Bestimmungen gegeben.