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Auf den Punkt \

Marktkommentar Oktober 2021

Inhalt:

  • Deutschland hat gewählt
  • China – Krise durch Evergrande
  • Lieferketten und Rohstoffmangel
  • Einzelwertbetrachtung STMicroelectronics
  • Ausblick

Deutschland hat gewählt

Die CDU scheint definitiv abgewählt – ein künftiger Bundeskanzler Olaf Scholz steht zum Bündnis mit Grünen und FDP bereit. Die nächsten Wochen werden hier entscheiden. Der Einfluss dieser Bundestagswahl auf die Finanzmärkte hat sich bislang in Grenzen gehalten. Das Ergebnis war in dieser Form offenbar von vielen Marktteilnehmern so erwartet worden. Im internationalen Kontext dürfte auch weiterhin kaum eine Reaktion erfolgen, denn hier gibt es weitaus bewegendere Themen.

Wenn auch international relativ wenig beachtet, wird die neue Regierung mit Ihren künftigen Entscheidungen Einfluss auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung nicht nur Deutschlands, sondern der gesamten Europäischen Union nehmen. Wo wird sich Deutschland im Staatenverbund künftig wiederfinden? Weiterhin starker, wettbewerbsfähiger Industrie- und Dienstleistungsstandort? Oder Vorreiter einer vielleicht zu realitätsfernen Ökopolitik, die im Alleingang sehr hohe Risiken birgt. Die Kunst wird darin bestehen, Ökonomie und Ökologie sinnvoll unter einen Hut zu bringen. Die Auswirkungen könnten die ein oder andere Branche erheblich tangieren, im Guten wie im Schlechten.

China – Krise durch Evergrande?

Wesentlich lauter war der Widerhall um die drohende Pleite des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande. Wird dies eine Wirtschaftskrise in China auslösen? Und könnte sich hieraus im schlimmsten Fall eine Weltwirtschaftskrise entwickeln? Diese und ähnliche Fragen stellen sich Investoren – und haben die Aktienkurse nach Monaten des Aufschwungs im September auf Talfahrt geschickt. Wird Evergrande zum zweiten Lehman Brothers? Wir sehen Evergrande durchaus kritisch und möchten hier keine Verharmlosung betreiben. Es stehen immerhin 300 Mrd. US-Dollar im Feuer. Und da offenbar auch weitere chinesische Immobilien-Unternehmen Probleme haben, ist das Thema nicht klein zu reden. Dennoch: Ein Vergleich mit der Finanzkrise 2008 scheint uns deutlich überzogen. Die Regierung in Peking wird zwar vermutlich kein Rettungspaket schnüren, um den wankenden Konzern aufzufangen. Sie wird jedoch auch keinen ungeordneten Bankrott zulassen und damit weiterreichende Folgen im System zu verhindern wissen. Im Gegensatz zur Finanzkrise sind die internationalen Verflechtungen weitaus geringer als 2008. Wir erachten die direkten Folgen für das globale Finanzsystem daher als wenig relevant.

Ein Risiko in Bezug auf China sehen wir vielmehr in der zunehmend protektionistischen Politik der dortigen Regierung. Eine Entwicklung, deren mittelfristige Auswirkungen auch bei vielen Asien-Kennern für rege Diskussionen und bei Investoren für Verunsicherung sorgt. Wie verlässlich ist dieser Handelspartner mittel und langfristig eigentlich?

Es geht um machtsichernde Maßnahmen der kommunistischen Partei, die auch vor den großen chinesischen Konzernen wie Alibaba, Tencent oder JD.com nicht Halt machen. Wachstum ja – aber offenbar nicht mehr um jeden Preis. Ein neues gesellschaftspolitisches Wachstumsmodell, das seine soziale Entwicklung besser mit seinen Wachstumsbestrebungen in Einklang bringt. Nach wie vor unverändert lautet jedoch das erklärte Ziel, bis 2028 die weltweit führende Wirtschaftsnation zu sein.

Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass es durchaus volatil bei chinesischen Aktien weitergehen wird. Jedoch sollte sich diese Situation nach und nach wieder „normalisieren“ und die Verlässlichkeit von Investitionen im Reich der Mitte somit wieder zunehmen. Ob es uns gefällt oder nicht: China ist bereits heute die zweitgrößte Wirtschaftsmacht weltweit und man wird Wege finden müssen, sich hier zu arrangieren.

Lieferketten und Rohstoffmangel 

Ein weiteres Thema, welches den Unternehmen derzeit zusetzt, sind die viel diskutierten Lieferketten- Probleme. Will heißen: Unternehmen können nicht oder nur in Teilen produzieren, da schlichtweg die für die Fertigstellung benötigten Materialien fehlen. Holz, Kunststoffe/chemische Produkte, Stahl, Halbleiter. Gefühlt beklagen nahezu alle Branchen das Fehlen wichtiger, für die Produktion notwendiger Teile und Materialien. Ob Bauindustrie, Automobilhersteller, chemische Industrie, Caravan-Produzenten – allen Ortes können Unternehmen nicht ihrer Auftragslage entsprechend produzieren, was wiederum auf die Ergebnisse Auswirkungen hat. Hier wird deutlich, wie fragil das System des globalisierten Welthandels geworden ist und wie stark man schlussendlich von einem reibungslosen Miteinander abhängt. 

Der rasante Anstieg der Energiepreise tut ein weiteres dazu, die Produktionskosten in die Höhe zu treiben. Hier sind schlussendlich alle betroffen – Unternehmen als auch Verbraucher. Kostete der Liter Super- Benzin vor 12 Monaten noch ca. 1,25 Eur/Ltr., so sind mittlerweile über 1,70 Eur/Ltr. fällig. Der Rohölpreis Brent ist seit Jahresbeginn um 60% gestiegen – auf Sicht eines Jahres sind es sogar 100% Steigerung, beim Erdgas sieht die Entwicklung ähnlich aus. Aber damit nicht genug, auch die Preise für die wichtigen Industriemetalle sind geradezu explodiert. Der weltweite Industrieboom, insbesondere die rasante chinesische Konjunkturerholung, ist hier verantwortlich, ebenso für die Lieferengpässe. Wurden durch die Corona-Pandemie noch Produktions- als auch Lieferkapazitäten abgebaut, so fehlen diese mittlerweile überall. Jedoch sehen wir hier auf Sicht der nächsten Monate eine Normalisierung und können uns gut vorstellen, dass industrienahe Rohstoffe ihren Peak nahezu erreicht haben. 

Wird über Preise und steigende Kosten diskutiert, ist auch die Sorge vor einer weiter steigenden Inflation nicht weit. Anfangs noch als vorübergehendes Phänomen abgetan, wird dieses nun deutlich ernster beachtet. Die Befürchtung einer Zinserhöhung in Folge einer dauerhaften Inflation wächst. Jedoch muss man hier klar relativieren und erkennen, dass sehr wohl Basiseffekte für den starken Anstieg zumindest mitverantwortlich sind – neben den realen Preissteigerungen wie oben beschrieben. Ob es jedoch bei Raten von 4% oder mehr bleiben wird, ist eher fraglich. Nichtsdestotrotz werden wir in den nächsten Monaten wohl noch mit steigender Inflation rechnen müssen – bevor es in 2022 im Zuge der zunehmenden Normalisierung bei Lieferengpässen und zurückgehender Rohstoffpreise zu einem Rückgang der Inflationsraten kommen wird. Das Thema Zinsanhebungen durch die Notenbanken sehen wir derzeit vor diesem Hintergrund noch immer als eher unwahrscheinlich an. Zu sehr würden hier Probleme für hochverschuldete Staaten heraufbeschworen, die ganz sicher nicht im Interesse der weltwirtschaftlichen Entwicklung gewollt sind. Wir gehen hier im Verlauf des Jahres 2022 allenfalls von einer „Normalisierung“ des Zinsniveaus in Richtung 0% aus. 

Einzelwertbetrachtung: STMicroelectronics 

STMicroelectronics N.V. ist ein weltweit führendes Unternehmen im Halbleitermarkt. Die Geschäftsfelder sind zu etwa einem Drittel in Automotive and Discrete Group (ADG), Analog and MEMS Group (AMS) und Microcontrollers and Digital ICs Group (MDG) strukturiert. Die größten Absatzregionen sind Asien und die USA. Etwa 25 % des Absatzes erfolgt innerhalb der EMEA Staaten (Europa-Arabien-Afrika). 

STMicroelectronics entstand 1987 durch die Fusion von SGS Microelettronica, Italien mit Thomson Semiconducteurs, Frankreich. Der Konzern unterhält Produktionsstätten, Forschungs- und Entwicklungszentren und Vertriebsniederlassungen weltweit. Der registrierte Firmensitz der Gesellschaft ist in Schiphol, Niederlande und der Unternehmenshauptsitz befindet sich in Genf, Schweiz. 

Das sagt STM über sich selbst: 

„Wir bei ST sind 46.000 Entwickler und Hersteller von Halbleitertechnologien, die die Halbleiter-Lieferkette mit hochmodernen Fertigungsanlagen beherrschen. Als unabhängiger Gerätehersteller arbeiten wir mit mehr als 100.000 Kunden und Tausenden von Partnern zusammen, um Produkte, Lösungen und Ökosysteme zu entwickeln und zu bauen, die ihren Herausforderungen und Möglichkeiten sowie der Notwendigkeit einer nachhaltigeren Welt gerecht werden. Unsere Technologien ermöglichen eine intelligentere Mobilität, ein effizienteres Strom- und Energiemanagement sowie den breiten Einsatz des Internets der Dinge und der 5G-Technologie. Weitere Informationen finden Sie unter www.st.com.“ 

Geschäftszahlen nach Q2/2021: 

Die Geschäftsprognose des Konzerns wurde Ende Juli angehoben. Für 2021 kalkuliert der Konzern angesichts der hohen Nachfrage nach Halbleiterchips im Allgemeinen, aber auch insbesondere in der Automobilindustrie, mit einem Umsatz von 12,5 Milliarden US-Dollar (10,6 Mrd Euro), plus oder minus 100 Millionen Dollar, was in der Mitte der Spanne ein Wachstum von gut 22 Prozent bedeutet. Bislang wurde ein Wert um die 12,1 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Zudem soll mit nun rund 2,1 Milliarden Dollar etwas mehr investiert werden als bislang geplant. 

Im abgelaufenen zweiten Quartal erwirtschaftete STMicro mit einem Umsatz von knapp drei Milliarden Dollar zwar einen Tick weniger als im bereits sehr starken Auftaktquartal, verbuchte aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von gut 43 Prozent. Die Bruttomarge stieg auf 40,5 Prozent. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 412 Millionen Dollar und damit noch mehr als zum Jahresstart. 

Der Konzern wird aus unserer Sicht weiter von der hohen Nachfrage nach Chips und Halbleitern profitieren. Die Verkaufspreise sind auf einem Rekordhoch. Durch die weltweiten Engpässe werden die Preise noch weiter steigen. Durch die Umstellung auf Elektroantriebe und das autonome Fahren werden Autos immer digitaler und verwenden mehr technische Produkte. Doch auch Mikrocontroller sind sehr gefragt. Die Rahmenbedingungen sind in allen 3 Geschäftsfeldern attraktiv und von profitablem Wachstum geprägt, wenngleich ein temporärer Gegenwind durch die aktuellen weltweiten Lieferkettenschwierigkeiten in Q3 und Q4 das Wachstum etwas bremsen könnten. 

Ausblick 

Sicherlich gibt es derzeit einige Themen, die zur Verunsicherung der Marktteilnehmer beitragen. Aus unserer Sicht ist hierbei die künftige Außen- und Wirtschaftspolitik Chinas ein schwer einzuschätzender Faktor, der sich auch nicht kurzfristig aufklaren wird. Ein totalitäres System, welches sich seiner wirtschaftlichen Macht absolut bewusst ist und dies auch klar demonstriert. Die sehr deutlichen Aussagen hinsichtlich des Umgangs mit dem aus chinesischer Sicht als „Teil-Republik“ einzustufenden Taiwan sprechen hier Bände. Dennoch sollte man bei aller demonstrierten Stärke nicht vergessen, dass die chinesische Wirtschaft kein System darstellt, welches ähnlich eines Perpetuum mobile rein aus eigener Kraft gespeist wird. China sucht nicht ohne Grund neue Gespräche rund um den Handelskonflikt mit den USA und wird es sich dauerhaft auch nicht mit seinen wichtigsten Handelspartnern verscherzen wollen. Zu sehr befindet sich die Welt in gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnissen und auch ein lautes Brüllen des gelben Drachen wird dies nicht grundlegend ändern. 

Wir gehen vor diesem Hintergrund von einem volatilen Marktgeschehen aus, sehen jedoch nicht die Gefahr einer nachhaltigen Trendumkehr. Es wird sicherlich noch Wochen und Monate andauern, bis die Lieferketten wieder halbwegs reibungslos funktionieren und die von Rohstoffimporten abhängige westliche Welt wieder auf alle benötigten Materialen ohne lange Wartezeiten zugreifen kann. Tendenziell auf hohem Niveau stagnierende und perspektivisch auch wieder fallende Rohstoff- und Energiepreise sollten ebenfalls aufhellenden Charakter haben und auch die Sorgen vor einer weiter stark steigenden Inflationsrate mindern. Gleichwohl sind dies genau die Punkte, die es in den nächsten Monaten zu beachten gilt und auf die man je nach Datenlage zu reagieren haben wird. 

In diesem Marktumfeld werden wir weiterhin auf Qualität setzen und vorzugsweise in Aktien investieren, die weniger zyklisch einzustufen sind und somit eine geringe Volatilität aufweisen sollten. Eine leicht erhöhte Liquiditätsquote sehen wir ebenso als sinnvoll an, um bei Rücksetzern am Markt ebensolche Qualitäten günstig einkaufen zu können. 

Übrigens sollte man bedenken, dass Lieferkettenprobleme und Materialmangel nur dann entstehen, wenn auf der anderen Seite eine entsprechende Nachfrage herrscht. Wäre es nicht viel schlimmer um die Weltwirtschaft bestellt, wenn zwar das Material pünktlich zur Verfügung stünde, es aber keine Abnehmer für die fertigen Produkte gäbe? 

 

Und wie immer das Wichtigste zum Schluss:

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie weiterhin gesund!

Herzliche Grüße aus Trier
Ihr Team der BSK Vermögensverwaltung GmbH

 

 

Disclaimer/Risikohinweis:

Dieser Kommentar dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder zu einer sonstigen Wertpapiertransaktion dar. In einem persönlichen Gespräch stehen wir gerne für weitere Informationen zur Verfügung. Eine Investmentstrategie orientiert sich stets an den persönlichen Umständen eines Anlegers wie beispielsweise Anlagehorizont, Risikoerwartungen und Renditeziele. © BSK Vermögensverwaltung GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangaben gebeten. Eine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben oder dem Eintreffen von Erwartungen kann nicht übernommen werden und keine Aussage in diesem Marktkommentar ist als solche Garantie zu verstehen. Die BSK Vermögensverwaltung GmbH noch deren Kooperationspartner übernehmen irgendeine Art von Haftung für die Verwendung dieser Präsentation oder deren Inhalt. Weder die Veröffentlichung noch eine Vervielfältigung dieses Marktkommentars darf ohne die vorherige ausdrückliche Erlaubnis der BSK Vermögensverwaltung GmbH auf irgendeine Weise verändert oder an Dritte verteilt oder übermittelt werden. Mit der Annahme dieses Marktkommentars wird die Zustimmung zur Einhaltung der o.g. Bestimmungen gegeben.

Inhalt:

  • Deal-Maker Donald Trump
  • Brexit – na und?
  • Konjunktur
  • Kursschwankungen gehören dazu

Sehr geehrte Kunden,

obwohl alle Welt einen Deal will, entwickelt sich der Verhandlungsmarathon zwischen den USA und China zu einem zähen Ringen mit vagen Erfolgsaussichten, gegenseitigen Drohungen und ständig neuen Verschärfungen. Viele Wochen blieb der Nachrichtenflow aus dem Weißen Haus eher unspektakulär, jetzt aber teilt Donald Trump wieder nach allen Seiten aus: China, Europa, Iran, Russland, Türkei, Nordkorea, Opec. Kaum eine Region bleibt unverschont. Lediglich mit Mexiko und Kanada hat Trump sich geeinigt. Und dies im Falle Kanadas sogar zu deren Bedingungen! Ein Hoffnungsschimmer für Europa? Wohl eher nicht, denn angesichts der Genehmigung der Welthandelsorganisation WTO, die es den USA gestattet, Zölle auf EU-Exporte im Gesamtwert von 7,5 Milliarden US-Dollar zu erheben, rücken schon wieder neue Belastungsfaktoren in den Fokus.

Auf alle Fälle lassen die Trump-Tweets die Weltbörsen seit Wochen Achterbahn fahren. Die Halbwertzeit seiner 280 Zeichen ist so kurz, dass sich kein nachhaltiger Trend bilden kann. Verträge werden einseitig aufgekündigt und unter teilweise enormem wirtschaftlichem oder gar militärischem Druck neu verhandelt bzw. diktiert.

Diese protektionistische Politik nach dem Motto „America first“ gefällt zwar sicherlich vielen Amerikanern, gleichwohl beunruhigt sie Verbündete und Geschäftspartner in aller Welt. Verlässlichkeit, partnerschaftliches Miteinander und Planbarkeit sind Schnee von gestern, Investoren werden verunsichert. Die dadurch geschaffene Lage mutet schon fast grotesk an, scheinen die Märkte doch stärker durch Launen des Deal-Makers als durch tatsächliche Fakten bestimmt zu werden.

 

Brexit – na und?

Hinter den Kulissen wurde bis zur letzten Minute verhandelt und der nicht mehr für möglich gehaltene Schulterschluss zwischen der Europäischen Union und Großbritannien scheint nun doch noch in greifbare Nähe gerückt zu sein. Zu welchen Bedingungen bzw. worauf genau man sich geeinigt hat, ist unklar. Klar scheint lediglich, dass ein geregelter Brexit noch immer nicht als sicher gelten kann. Im Vorfeld schien die Situation immer weiter zu eskalieren, die Positionen aller Beteiligten so festgefahren, dass das Szenario eines ungeordneten Ausstiegs der Briten immer wahrscheinlicher wurde. Boris Johnson, der bislang auf ein Alles-oder-Nichts-Szenario mit offenem Ausgang setzte, nimmt dabei offenbar in Kauf, dass die englische Wirtschaft großen Schaden nimmt, Banken ihren Sitz nach Frankfurt oder Paris verlegen und große Unternehmen darüber nachdenken, ihre Zentralen aufs Festland zu verlagern. Aber ist der Austritt Englands- mit oder ohne Deal –

für Europa letztendlich wirklich so dramatisch? Waren die Briten nicht immer auch Provokateur und Blockierer der europäischen Idee? Ein Größenvergleich zeigt, dass das englische Bruttoinlandsprodukt gerade einmal dem entspricht, was China seit 2016 an zusätzlichem Wirtschaftswachstum generiert hat. Dies sollte verdeutlichen, dass der Brexit – ob geregelt oder ungeregelt – für die Weltwirtschaft keine bedeutende Rolle spielen wird.

Global agierende, am Finanzplatz London gelistete Konzerne, die in britischem Pfund bilanzieren und den Großteil ihrer Umsätze im Ausland erwirtschaften, profitieren sogar von der schwächelnden Währung. In Europa kann der Brexit sicherlich zu kurzfristigen Rückschlägen an den Märkten führen, worin wir jedoch eine Chance sehen würden, wieder günstig Qualitätsaktien erwerben zu können.

 

Konjunktur

Nahezu alle Konjunkturindikatoren weisen Richtung Süden. Der Sentix-Stimmungs-Indikator der Konjunkturerwartungen für die nächsten 6 Monate hat für Deutschland mittlerweile den tiefsten Stand seit 2015 erreicht, das Barometer für die Einschätzung der aktuellen Lage fiel gar auf den tiefsten Stand seit November 2009.

Sämtliche Einkaufsmanagerindizes sind im Sinkflug und haben bereits Tiefs vergleichbarer Phasen erreicht. Gewinnschätzungen werden reduziert und man darf gespannt sein, ob die aktuelle Berichtssaison hier neue Aspekte liefern kann. In den etablierten Volkswirtschaften haben sich Zinsen in Luft aufgelöst und so weisen z.B. 5-jährige deutsche Staatsanleihen mittlerweile eine Negativ-Rendite von minus 0,7% auf! Nur unter hohen Währungs- und wirtschaftlichen Risiken sind noch nennenswerte Erträge mit Zinspapieren aus den Emerging-Markets zu erzielen. Insgesamt sprechen wir hier ganz klar von zinslosen Risiken und nicht von nachhaltigen Investment-Chancen. Trotz aller genannten Unsicherheitsfaktoren ist jedoch keine Verkaufspanik ähnlich früherer Krisenzeiten oder wie Ende 2018 zu beobachten. Die Volatilität (Schwankungsbreite) als Risikomaß am Aktienmarkt bleibt vergleichsweise verhalten. Die Weltwirtschaft wächst immer noch mit 3% und folglich erwarten wir kein Crash-Szenario, jedoch auch keinen überproportionalen Anstieg. Erst eine nachhaltige Einigung im Zollstreit könnte zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung und somit zu entsprechenden Kursgewinnen führen. Das Gebot der Stunde ist nicht das passive Investieren, sondern aktives Management.

Wir fühlen uns in diesem Umfeld mit einer erhöhten Liquiditätsquote gut aufgestellt. Insgesamt bewerten wir Aktien auf dem gegenwärtigen Niveau neutral. Gleichwohl stehen wir mit Blick auf interessante Gelegenheiten und bei temporären Kursrückschlägen bereit, unsere Investitionsquoten wieder zu erhöhen. Denn eines ist sicher: gute Unternehmen werden sich ungeachtet politischer Widrigkeiten – wenn auch unter Schwankungen – letztendlich immer durchsetzen.

 

Kursschwankungen gehören dazu

Börsenkurse schwanken, kurzfristig mitunter sogar sehr heftig. Investoren sollten keine Angst vor Kursschwankungen haben, denn Ausschläge nach unten genauso wie nach oben gehören an der Börse einfach dazu. Vielen Anlegern scheint diese Sicht schwer zu fallen, lassen sie sich doch zu sehr von kurzfristigen Geschehnissen beeinflussen und durch den täglichen Blick ins Depot nervös machen. Investieren bedeutet, von der Zukunftsfähigkeit

eines Unternehmens, von dessen Geschäftsmodell und seinem langfristigen wirtschaftlichen Erfolg überzeugt zu sein. Dabei stellt der Zeitfaktor eine ganz wesentliche Größe dar. Längerfristig werden Kurschwankungen geglättet und fundamentale Aspekte setzen sich durch. Und der lange Blick zeigt, dass massive Einbrüche eindeutig die Ausnahme und nicht die Regel sind. In der Vergangenheit gab es deutlich mehr gute als schlechte Jahre. Und angesichts einer Welt ohne Zinsen wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen ruhigen und entspannten Herbst.

Herzliche Grüße aus Trier
Ihr Team der BSK Vermögensverwaltungsgesellschaft

Disclaimer/Risikohinweis:

Dieser Kommentar dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder zu einer sonstigen Wertpapiertransaktion dar. In einem persönlichen Gespräch stehen wir gerne für weitere Informationen zur Verfügung. Eine Investmentstrategie orientiert sich stets an den persönlichen Umständen eines Anlegers wie beispielsweise Anlagehorizont, Risikoerwartungen und Renditeziele. © BSK Vermögensverwaltung GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangaben gebeten. Eine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben oder dem Eintreffen von Erwartungen kann nicht übernommen werden und keine Aussage in diesem Marktkommentar ist als solche Garantie zu verstehen. Die BSK Vermögensverwaltung GmbH noch deren Kooperationspartner übernehmen irgendeine Art von Haftung für die Verwendung dieser Präsentation oder deren Inhalt. Weder die Veröffentlichung noch eine Vervielfältigung dieses Marktkommentars darf ohne die vorherige ausdrückliche Erlaubnis der BSK Vermögensverwaltung GmbH auf irgendeine Weise verändert oder an Dritte verteilt oder übermittelt werden. Mit der Annahme dieses Marktkommentars wird die Zustimmung zur Einhaltung der o.g. Bestimmungen gegeben.